Damit war ich völlig zufrieden. Ich arbeitete sehr viel und wollte in meinem Beruf viel erreichen. Wenn ich nicht arbeitete, war ich mit meinen Freunden beim Bouldern oder ging mit meinem Freund in die Berge zum Wandern.
Klar, wenn ich Videos vom Klettern draußen sah, wurde ich oft neidisch und dachte, dass ich auch gerne Klettern wollte. Aber allein der Gedanke an mich in einem Klettergurt trieb mir die Schweißperlen auf die Stirn.

Als meine Café Kraft-Bergkameraden schließlich eine WhatsApp-Gruppe für Verabredungen zum Klettern gründeten, sah ich regelmäßig ihre Verabredungen zum Klettern in der Fränkischen Schweiz.
Ich wollte auch Zeit mit ihnen verbringen. Also ging ich mit. Und sah zu. Klettern wollte ich nicht. Tat ich auch zuerst nicht. Aber beim Einkehren war ich immer sehr motiviert.
Einmal kletterte ich dann doch einen 4er im Vorstieg. Das ging, denn die Route erinnerte mich sehr ans Bergsteigen. Am gleichen Tag versuchte ich es noch im Toprope mit einer 6-.
Gleiche Situation wie damals in der Kletterhalle. Und noch dazu war der Fels eiskalt und die Route in meinen Augen viel zu schwer. Der Kletterspaß war also wieder nach 5 Metern vorbei für mich.
Meine unermüdlichen Bergkameraden hörten trotzdem nicht auf, mich zu motivieren. Sie hängten mir Routen ein und ich durfte im Nachstieg probieren. Egal wie schlecht ich war.
Immer fiel ihnen etwas Positives an dem ein, was ich da trieb.
Ich hatte zwar keine Ahnung und stellte mich sicher unendlich tollpatschig an. Aber langsam wurde meine Angst weniger. Und die Motivation wurde größer. Die anderne hatten so viel Spaß am Klettern, da musste doch was dran sein.
Ja und dann wagte ich mich tatsächlich an meine ersten „schwereren“ Routen im Vorstieg. Da war die Angst wieder zurück. Aber ich kletterte brav von Haken zu Haken. An jedem Haken machte ich scheinbar endlos Pause, um Kraft für die nächsten 1 1/2 Meter zu sammeln und auf keinen Fall zu stürzen.
Schließlich versuchte ich meine erste 7- am Röthelfels. Und mit der gleichen Methode (von Haken zu Haken) kam ich mit Herzrasen tatsächlich oben an. Mein Kletterpartner Thomas beglückwünschte mich ausgiebig (das was ich da tat war weit unter seinem Niveau, aber ich glaube er war trotzdem ziemlich stolz auf mich 🙂 ).
Überglücklich berichtete ich jedem, egal ob er es hören wollte oder nicht, von meinem großen Erfolg.
Mein Lieblingskollege sagte nur „Also, geklettert bist du eine Route erst dann, wenn du sie durchgestiegen bist. Ohne reinsetzen und so. Und auch nicht im Toprope“.
Oh. Das holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Ging ihm aber genauso. Die harte Schule seiner Frau nennt er das immer. Sie hatte ihm damals das gleiche niederschmetternde Statement zu seinem ersten Klettererfolg abgegeben. 🙂
Tja aber damit legte er den Grundstein für meine Kletterbesessenheit.
Ohne die Geduld und das Wohlwollen all der Kletterpartner, mit denen ich die ersten Male draußen war, wäre ich nie da wo ich jetzt bin. Ich hätte vermutlich immer noch Schweißausbrüche beim Gedanken an knarzende Seile.
Das ist das was man braucht, wenn man als Anfänger und Angsthase an den Fels geht. Menschen die einen motivieren und geduldig sind. Und sich mit einem freuen. Ganz egal wie groß oder klein der Erfolg ist.
Für mich war es damals ein riesiger persönlicher Erfolg, am Umlenker anzukommen. Ganz egal wie. Und das hat mein Kletterpartner erkannt und gewürdigt.
